Okt 30

Soll ich meine Riester Rente kündigen?

Heute ist mir meine Riester Police beim aufräumen in die Händer gefallen. Deshalb habe ich mich noch mal mit der Riester Rente beschäftigt, da ich mir überlege, ob ich den Vertrag kündigen soll.

riesterrente-vergleichsrechner.deGrundsätzlich ist es möglich eine Riester Rente vor dem Ende der Laufzeit zu kündigen. Zu beachten ist dabei die im Vertrag festgelegte Kündigungsfrist, gewöhnlich beträgt diese drei Monate. Längerfristige Kündigungszeiten sind bei einigen Anbietern und Riester Renten-Produkten gerade zu Beginn der Laufzeit denkbar.

Vor einer Kündigung lieber doppelt überlegen

Riester-Sparer sollten sich eine vorzeitige Kündigung ihres Riesten Renten Vertrages trotz vorhandener Kündigungsoption genauestens überlegen. Zwei Nachteile birgt die Kündigung der Riester Rente vor Laufzeitende. Zum einen kann sich ein finanzieller Nachteil in Abhängigkeit vom jeweiligen Riester Renten Produkt ergeben, beispielsweise ein nur sehr geringer Rückkaufswert oder auch zusätzlich anfallende Gebühren.

Zum anderen ist allen Riester geförderten Sparanlagen gemein, dass bei schädlicher Verwendung – unter anderem bei vorzeitiger Kündigung – die staatlichen Hilfen zurückerstattet werden müssen. Diese Rückerstattung umfasst sowohl die geldlichen Zulagen in Form der Grundzulage und der Kinderzulage als auch die Steuerbegünstigung durch Sonderausgabenabzug in der Einkommenssteuererklärung des Riester-Sparers.

Wer die Riester Rente kündigt verliert viel Geld

Wer vorzeitig kündigt, hat das Ziel eines Riester Renten Vertrages, nämlich privat für das eigene Alter finanziell vorzusorgen, nicht verwirklicht. Die staatliche Unterstützung beruht jedoch einzig auf diesem Ziel und wird deshalb von der Bundesregierung im Falle einer vorzeitigen Beendigung des Riester Renten Vertrages logischerweise zurückverlangt. Gemäß diesem Umstand hätte der Riester-Sparer zwar alle staatlichen Vergünstigungen verloren, ihm ständen allgemein betrachtet aber zumindest noch seine eingezahlten Beiträge plus eventuell erwirtschafteter Gewinne zu, oder etwa doch nicht?

Inwieweit der Riester-Sparer seine eingezahlten Beiträge tatsächlich in voller Höhe oder anteilig vom Anbieter zurückerhält, hängt von dem gewählten Riester Sparprodukt ab. Im Grunde kann der Sparer ja nur den Betrag erstattet bekommen, der nach Abzug anfallender Kosten verbleibt. Gibt es Gewinne könnten etwaige Kosten abgefedert werden bzw. der Auszahlungsbetrag sogar größer sein als der Einzahlunsgbetrag. Natürlich nur im besten Fall!

Kaum Unterschiede bei der Höhe der Rückzahlungen

Bei Riester-Banksparplänen, die als sehr kostengünstiges Riester Renten Produkt gelten, könnte der Riester-Sparer trotz vorzeitiger Beendigung glimpflich davon kommen und einen Großteil seiner eingezahlten Beiträge zurückerhalten, gegebenenfalls das gesamte oder sogar um erzielte Gewinne erhöhtes Kapital.
Auch Fondssparpläne erhalten eine Riester Rente Förderung und sind deutlich kostengünstiger im Vergleich zu fondsgebundenen Rentenversicherungen, doch es werden zumeist jährliche Verwaltungsgebühren und teils Ausgabeaufschläge fällig. Außerdem richtet sich der aktuelle Auszahlungsbetrag bei Riester-Fondssparplänen nach der gegenwertigen Marktlage und die Garantie auf eingezahlte Beiträge und staatliche Zulagen gilt lediglich für den Zeitraum des Rentenbeginns. Bei vorzeitiger Beendigung des Vertrages und schlechten Marktwerten muss der Riester-Sparer damit rechnen, weniger Kapital als seine eigentlich geleisteten Riester-Beiträge erstattet zu bekommen oder im schlechtesten Fall bei extremen Kursverlusten sogar überhaupt keine Gelder aus seinem gekündigten Riester Vertrag zu erhalten.

Bei fondsgebundenen und klassischen Rentenversicherungen sind bei vorzeitiger Kündigung in der Regel schon vorab Rückkaufswerte festgelegt. Da die Kosten der Versicherung, die meistens zudem recht hoch sind, üblicherweise vor allem in den ersten Versicherungsjahren vom eingezahlten Kapital getilgt werden, sind diese Rückkaufswerte in den ersten Laufzeitjahren entsprechend gering bzw. entsprechen nicht den geleisteten Riester-Beiträgen. Interessant ist im Bereich der Riester-Rentenversicherungen außerdem, wie hoch der vereinbarte Garantiezins ist. Dieser wurde in den letzten Jahren nach unten versetzt, so dass sich bei älteren Verträgen mit noch erhöhten Zinsgarantien ein weiterer Nachteil ergeben könnte.

Die Kündigung eines Riester Renten-Vertrages ist folglich allein schon wegen der Rückzahlung der staatlichen Zulagen oder Steuervorteilen nicht zu empfehlen. Weiterhin können sich je nach gewähltem Riester Produkt zusätzliche Nachteile für den Riester-Sparer einstellen. Wer sich seinen Riester Renten Vertrag aber finanziell nicht mehr leisten kann oder mit seinem Produkt oder auch mit seinem Anbieter unzufrieden ist, hat andere Möglichkeiten, den bestehenden Zustand zu ändern und zwar mit deutlich weniger Verlust.

Die Alternative zur Kündigung

Bei Unzufriedenheit mit dem Produkt oder Anbieter ist statt einer vorzeitigen Beedingung des Vertrages ein Tarifwechsel oder eben Anbieterwechsel angeraten. Hier können Gebühren anfallen, jedoch bleibt die staatliche Förderung in vollem Umfang erhalten. Das Kapital wird bei einem Wechsel nämlich nicht schädlich verwendet, sondern dient nach wie vor – auch in einem neuen Riester Vertrag – der privaten Vorsorge für den eigenen Lebensabend.

Wer indes die Beiträge für seinen Riester Vertrag nicht mehr aufbringen kann, sollte dennoch von einer vorzeitigen Kündigung absehen. Je nach Produkt und Anbieter steht es dem Riester-Sparer unter Umständen frei, die Beiträge zum Beispiel zu vermindern oder mit der Beitragszahlung für eine Weile zu pausieren. Eine weitere Option ist die generelle Beitragfreistellung des Vertrages bis zum Ende der Laufzeit. Prinzipiell ist zu berücksichtigen, dass die staatlichen Zulagen nur dann in voller Höhe gewährt werden, wenn pro Jahr mindestens 4 % des Vorjahreseinkommens abzüglich der staatlichen Zuschüsse in den Riester Renten Vertrag fließen, maximal aber 2.100 Euro. Zudem gilt teilweise eine Mindesteinzahlsumme von 60 Euro jährlich.

Eine verhältnismäßige Verringerung der Zulagen oder auch der vollständige Wegfall dieser sind mögliche Folgen, sofern die Mindestbeträge unterschritten werden. Doch auch wenn eben diese Mindestbeiträge nicht geleistet werden können, lohnt sich diese Handhabe, denn zumindest bleiben in diesen Fällen die bereits gewährten Vergünstigungen bewahrt, da auch hier keine schädliche Verwendung vorliegt. Zudem kann der Sparer weiterhin von Erträgen auf das bereits angesparte Kapital profitieren.